3. Kapitel - Auf ins Wunderland



Nachdem sie eine zeitlang schweigend gefahren waren, begann Emily zu fragen:
„Mama, wann sind wir endlich da? „Ma-ma, wann sind wir da??“
Alice hatte darauf nichts anderes zu antworten gewusst als:
„Es dauert noch ein bisschen, aber wir machen bald Rast“, und Jeremy einen auffordernden Blick zuzuwerfen, dies schnell zu bestätigen, was er auch getan hatte.
„Wir stoppen bald, dann können wir etwas essen und Du kannst Dich austoben!“
Und er war tatsächlich an der nächsten Raststätte rausgefahren, hatte den Wagen getankt, während Alice sich mit Emily frisch gemacht hatten. Dann hatten sie sich in den Außenbereich der Raststätte gesetzt, an den ein kleiner Kinderspielplatz grenzte, und etwas Essbares bestellt. Eine attraktive, rothaarige Kellnerin von etwa Mitte vierzig namens Barbara (jedenfalls stand es so auf ihrem Namensschild) hatte ihnen die Getränke serviert. Dann hatte sie sich zu ihrer jüngeren Kollegin, einer korpulenten Blondine gestellt, und beide hatten zu ihnen hinübergesehen, getuschelt und gekichert wie junge Mädchen. Kurz darauf war die jüngere Kollegin mit dem Essen an den Tisch gekommen, das sie sehr ungeschickt servierte, sie hatte sogar eines der Wassergläser umgestoßen und auf Jeffreys Hose verschüttet, woraufhin sie tief errötet war und gestammelt hatte:
„Oh nein, das tut mir leid der Herr, wie dumm von mir, warten Sie, ich hole eine Serviette zum Aufnehmen, oh Gott, die gute Hose...“
Jeffrey aber hatte sich schon eine Papierserviette genommen, seine Hose einigermaßen abgetrocknet und entgegnet:
„Kein Problem, es ist nur Wasser, das passiert doch jedem einmal!“, aber sie war trotzdem hektisch losgelaufen und kurz darauf mit einem Tuch wiedergekommen, das sie Alice in die Hand gedrückt hatte mit den Worten:
„Bitte sehr, vielleicht können Sie...? Es tut mir ja so leid, mein Chef sagt, das Essen geht auf ihn“, als handele es sich um ein 5-Sterne-Menü und nicht um eine schlechtes Raststättenmahlzeit. Alice hatte sie peinlich berührt angeblickt und gerade abwehren wollen, doch Jeffrey war ihr zuvorgekommen:
„Das ist sehr freundlich von Ihnen, Miss! Wir wissen dies sehr zu schätzen, vielen Dank!
Dabei hatte er sie mit einem strahlenden Lächeln bedacht, das die junge Kellnerin noch tiefer erröten ließ, falls dies überhaupt möglich war. Erstmals hatte ein feiner, britischer Akzent seine Stimme verfärbt, so dass Alice ihn verblüfft angesehen und amüsiert die Augenbrauen hochgezogen hatte. Emily hatte ihr Kinderschnitzel mit Pommes verschlungen, war aufgesprungen und auf den angrenzenden Spielplatz gerannt.

„Jeffrey, komm´ mit! Du sollst mich anschaukeln!“ rief sie nun fröhlich.
Jeffrey stand auf, lächelte Alice entschuldigend an und meinte:
„Hast Du etwas dagegen?“
 Sie schüttelte den Kopf und sah ihm dabei zu, wie er Emily Schwung gab, indem er sich vor sie stellte, sie an den Beinen so hoch wie möglich nach oben zog und dann die Schaukel plötzlich losließ. Er selbst blieb vor der Schaukel stehen und sprang immer im letzten Augenblick zur Seite, so dass Emily ihn nur knapp mit den Füßen verfehlte, was ihr großes Vergnügen bereitete. So schaukeln nur Männer Kinder an, dachte Alice bei sich. Doch sie musste aber unwillkürlich lächeln, als sie sah, wie Emily vor Freude jauchzte und immer höher schaukelte, um Jeffrey vielleicht doch noch zu erwischen. Ab und zu gelang es ihr, sich mit den Füßen an seinen Händen abzustoßen, was sie begeistert aufjubeln ließ.
Der Instinkt eines Kindes. Die Wahrheit des Kindes. Ein Kind täuscht sich selten, und Emily noch seltener...oder?

Sie wurde sich plötzlich bewusst, dass jetzt eine gute Gelegenheit wäre, zu telefonieren. Jemanden anzurufen. Doch wen, und was sollte sie sagen? Sollte sie etwa ihre Eltern anrufen, die ganz woanders wohnten und nicht einmal wussten, dass sie unterwegs war? Oder Juri, der vermutlich noch einen Freitagabend-Rausch ausschlief, einen Rausch von einer anderen Party mit einer anderen Schönheit? Oder Adrian, der sie noch gar nicht vermisste, weil er sie nicht vor heute Abend erwartete? Einmal angenommen, sie würde Adrian jetzt anrufen, was sollte sie ihm sagen? Adrian, wir sind entführt worden! Das traf die Sache nicht. Oder: - Adrian, wir sind auf dem Weg. Wir haben aber nicht den Zug genommen, sondern kommen mit dem Auto. Ein Mann hat uns mitgenommen...  Wie bitte? Nein, nicht irgendein Mann, es ist jemand, dem ich schon einmal begegnet bin, ein Bekannter (aber war Jeffrey denn ein Bekannter?), im Grunde genommen ist er ein Luchs, zumindest erinnert er mich an einen Luchs, doch er fährt einen Jaguar - so ein altes, britisches Modell.... -  kannst Du mir folgen??

Warum also anrufen? Wenn Jeffrey ihr oder Emily etwas hätte antun wollen, hätte er dies schon längst getan, oder? Jeffrey mochte merkwürdig sein, aber er schien nichts Schlechtes im Sinn zu haben. Er schien sie tatsächlich an ihren Bestimmungsort fahren zu wollen, und war offenbar einfach nur an ihrer Gesellschaft interessiert. Warum auch nicht? Sie verspürte einen gewissen Trotz, aber keinerlei Angst mehr und beschloss, entspannt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln würden. Sie würde sich überraschen lassen. Eigentlich ist es doch das, wonach Du suchst: nach Gelegenheiten, Dich vom Schicksal überraschen zu lassen.

Barbara trat an den Tisch, um abzuräumen. Sie wies mit dem Kopf auf das halbe Sandwich, das noch auf Jeffreys Teller lag.
„Soll ich es einpacken? Er hat ja kaum hineingebissen, er wird sicher noch Hunger haben“ Alice nickte.
„Ja, gerne. Vielen Dank!“
 Beide blickten zum Spielplatz hinüber. Barbara blinzelte ihr vielsagend zu:
„Sie haben Glück! Ein so gutaussehender Mann – und ein so toller Vater obendrein!“
Alice wollte gerade etwas entgegnen, aber Barbara fuhr unbeirrt fort:
„Er hat große Ähnlichkeit mit diesem Schauspieler, diesem englischen Kerl, wie heißt er doch gleich...?“
Alex versuchte es auf gut Glück:
„Ewan McGregor?“
„Nein, nein, der nicht, warten Sie...“, sie winkte Ihrer pummeligen Kollegin zu, „Susie, komm´ doch mal, wie heißt er noch gleich, dieser britische Schauspieler, der genauso aussieht wie der Herr hier?“
Susie trat ein paar Schritte an den Tisch, errötete wieder und sagte:
„Jude Law!“
Dann kicherte sie und schlug sich die Hand vor den Mund, während Barbara unbeeindruckt weiterplauderte:
„Genau! Jude Law. Der hübsche Kerl aus Alfie, der eine Frau nach der anderen vernascht, wirklich, ihr Mann sieht ihm zum Verwechseln ähnlich!“ Und dann, mit verschwörerischem Grinsen: 
„Aber passen bloß Sie auf, dass Sie das richtige Kindermädchen für die Kleine auswählen, es sollte nicht zu hübsch sein, sie haben ja gesehen, was sonst passiert!" Sie machte eine wegwerfende Handbewegung.
"Wissen Sie... eigentlich sind doch fast alle Männer gleich, wenn´s um das Eine geht. Sie werden schwach, es sind ihre Hormone oder sie brauchen es für ihr Ego! Irgendwann ist jeder an dem Punkt. Meiner war auch ein schicker Typ, aber ein verdammter Schürzenjäger bis zum geht nicht mehr! Irgendwann habe ich die Schnauze voll gehabt, hab´ meine Kinder eingepackt und ihn verlassen, bevor er´s tun konnte. Es hat ihn kaum interessiert, er hat sich eigentlich nie für seine Kinder interessiert, nur für sich selbst. Dass er mal mit ihnen gespielt hätte wie Ihrer mit der Kleinen, da hätten wohl Weihnachten und Ostern zusammenfallen müssen! Ich streite heute noch mit ihm darum, dass er die Alimente regelmäßig zahlt. Meinen Sie, ich würde mir sonst in diesem Laden hier die Hacken wund laufen?“
Sie blickte noch einmal zu Jeffrey und Emily hinüber, schüttelte dann den Kopf.
„Tja... aber mir scheint, Ihrer ist doch wirklich anders, so wie er mit der Kleinen umgeht, der wird sein Kind nie im Stich lassen. Vielleicht ist er tatsächlich eine von diesen wenigen Ausnahmen, von denen man immer mal wieder hört?! Wenn´s so ist, sollten Sie ihn gut festhalten, ihn verwöhnen und immer wieder überraschen, damit er merkt, dass es sich lohnt, anders zu sein als die anderen!“
Alice nickte ihr zu, belustigt und nachdenklich. Dann machte Sie Jeffrey ein Zeichen.
„Jeffrey, lass´ uns weiterfahren!“

Kaum saßen sie wieder im Auto, fing Emily an zu nörgeln.
„Ich will nicht mehr Auto fahren. Es ist langweilig! Wann sind wir da? Wo schlafen wir heute überhaupt?"
Alice zuckte zusammen. Wo schlafen wir überhaupt? Sie hatten keinerlei Gedanken an diese Frage verschwendet, aber natürlich stellte sich die Frage, es war schon Nachmittag und sie hatte nur eine grobe Vorstellung davon, wo sie sich befanden... noch vor Stuttgart, oder schon dahinter?
Jeffrey sagte:
„In etwa zwei Stunden sind wir an der Grenze zur Schweiz. Direkt dahinter kenne ich eine nette kleine Gaststätte. Die Wirtin heißt Emma und hat fünf Katzen. Wenn man sein Frühstücksei aufschlägt, kann man auf den Bodensee schauen. Das ist sehr malerisch. Und nach dem Frühstück nehmen wir dann Kurs auf Liechtenstein, und ihr seid zum Mittagessen dort.“
Alice schluckte, wandte den Kopf zu ihm um.
„Du meinst, wir fahren nicht durch?“
„Nein, auf keinen Fall. Das schafft der alte Lord hier nicht.“ Er lächelte seelenruhig, fast etwas spöttisch, während er zärtlich über das Lederlenkrad seines Wagens strich.

Mit einem Mal dachte Alice: Was, wenn er doch verrückt ist? Sie biss sich auf die Unterlippe, überlegte. Hatte eine Idee. Die Grenze! Hier würden sie einfach aus diesem merkwürdigen Film aussteigen, im Schutze der Schweizer Grenzbeamten. Adrian könnte sie dann immer noch dort abholen, es war nicht weit von Liechtenstein bis zur deutsch-schweizerischen Grenze, das wusste sie. Vielleicht zwei Stunden. Zur Not könnten sie an der Grenzstation warten. Sie durfte sich jetzt nur nichts anmerken, musste einfach mitspielen.
Sie nickte ihm zu, scheinbar gelassen.
„Okay. Klingt gut.“
Emily genügte das aber nicht:
„Aber ich langweile mich. Zwei Stunden sind viel zu lang! Was soll ich bis dahin machen?“
Jeffrey blickte sie im Rückspiegel an. Dann sagte er:
„Ich werde Dir eine Geschichte erzählen.“
„Was für eine Geschichte.“
„Die Geschichte von der kleinen Alice im Wunderland. Kennst Du sie?“
„Nein!“
„Willst Du sie hören?“
„Au ja! Erzähl´, Jeffrey, erzähl sie mir die Geschichte!“

Jeffrey schloss die Augen, blickte kurz nach innen, öffnete sie dann wieder. Dann begann er:

„Alice's Abenteuer im Wunderland

von Lewis Carroll.

Erstes Kapitel

Hinunter in den Kaninchenbau.

Alice fing an sich zu langweilen; sie saß schon lange bei ihrer
Schwester am Ufer und hatte nichts zu tun. Das Buch, das ihre Schwester
las, gefiel ihr nicht; denn es waren weder Bilder noch Gespräche darin.
»Und was nützen Bücher,« dachte Alice, »ohne Bilder und Gespräche?«

Sie überlegte sich eben, (so gut es ging, denn sie war schläfrig und
dumm von der Hitze,) ob es der Mühe wert sei aufzustehen und
Gänseblümchen zu pflücken, um eine Kette damit zu machen, als plötzlich
ein weißes Kaninchen mit roten Augen dicht an ihr vorbeirannte.

Dies war grade nicht sehr merkwürdig; Alice fand es auch nicht  sehr
außerordentlich, dass sie das Kaninchen sagen hörte: »O weh, o weh! Ich
werde zu spät kommen!« (Als sie es später wieder überlegte, fiel ihr
ein, dass sie sich darüber hätte wundern sollen, doch zur Zeit kam es ihr
Alles ganz natürlich vor.) Aber als das Kaninchen seine Uhr aus der
Westentasche zog, nach der Zeit sah und eilig fortlief, sprang Alice
auf; denn es war ihr doch noch nie vorgekommen, ein Kaninchen mit einer
Westentasche und eine Uhr darin zu sehen. Vor Neugierde brennend, rannte
sie ihm nach, über den Grasplatz, und kam noch zur rechten Zeit, um es
in ein großes Loch unter der Hecke schlüpfen zu sehen.

Den nächsten Augenblick war sie ihm nach in das Loch hineingesprungen,
ohne zu bedenken, wie in aller Welt sie wieder herauskommen könnte…“

Emily unterbrach ihn mit großen Augen:
„Sie ist einfach in das Loch gesprungen? Was ist das für ein Loch? Ist es tief??“
Jeffrey grinste.
„Wart´s ab!“ Und er fuhr fort:

Der Eingang zum Kaninchenbau lief erst geradeaus, wie ein Tunnel und
ging dann plötzlich abwärts; ehe Alice noch den Gedanken fassen konnte
sich schnell festzuhalten, fühlte sie schon, dass sie fiel, wie es
schien, in einen tiefen, tiefen Brunnen.

Entweder musste der Brunnen sehr tief sein, oder sie fiel sehr langsam;
denn sie hatte Zeit genug, sich beim Fallen umzusehen und sich zu
wundern, was nun wohl geschehen würde. Zuerst versuchte sie hinunter zu
sehen, um zu wissen wohin sie käme, aber es war zu dunkel etwas zu
erkennen. Da besah sie die Wände des Brunnens und bemerkte, dass sie mit
Küchenschränken und Bücherbrettern bedeckt waren; hier und da erblickte
sie Landkarten und Bilder, an Haken aufgehängt. Sie nahm im Vorbeifallen
von einem der Bretter ein Töpfchen mit der Aufschrift: »Eingemachte
Apfelsinen«, aber zu ihrem großen Verdruss war es leer. Sie wollte es
nicht fallen lassen, aus Furcht Jemand unter sich zu töten; und es
gelang ihr, es in einen andern Schrank, an dem sie vorbeikam, zu
schieben.

»Nun!« dachte Alice bei sich, »nach einem solchen Fall werde ich mir
nichts daraus machen, wenn ich die Treppe hinunter stolpere. Wie mutig
sie mich zu Haus finden werden! Ich würde nicht viel Redens machen, wenn
ich selbst von der Dachspitze hinunter fiele!« (Was sehr wahrscheinlich
war.)

Hinunter, hinunter, hinunter! Wollte denn der Fall nie endigen? »Wie
viele Meilen ich wohl jetzt gefallen bin!« sagte sie laut. »Ich muss
ungefähr am Mittelpunkt der Erde sein. Lass sehen: das wären achthundert
und fünfzig Meilen, glaube ich --« (denn ihr müsst wissen, Alice hatte
dergleichen in der Schule gelernt, und obgleich dies keine sehr gute
Gelegenheit war, ihre Kenntnisse zu zeigen, da Niemand zum Zuhören da
war, so übte sie es sich doch dabei ein) -- »ja, das ist ungefähr die
Entfernung; aber zu welchem Länge- und Breitegrade ich wohl gekommen
sein mag?« (Alice hatte nicht den geringsten Begriff, was weder
Längegrad noch Breitegrad war; doch klangen ihr die Worte großartig und
nett zu sagen.)…“



Und so fuhr er fort, Wort für Wort. Emily unterbrach ihn nicht mehr, sondern hörte mit offenem Mund zu. Alice blickte Jeffrey von der Seite an, aber er bemerkte es nicht. Er war bei der anderen Alice, das war offensichtlich. Sie verspürte einen Stich.

Alice kannte den Text. Lewis Carolls Meisterstück. Sie hatte ihn ein halbes Dutzend Mal vorgelesen bekommen – es war kein Zufall, dass ihr der Vorname „Alice“ gegeben worden war! Später hatte sie das Buch dann selbst gelesen, viele viele Male. Hatte außerdem fast alle Adaptationen gesehen, die erste sprechende Alice von Bud Pollard, die erste Alice in Farbe von Dallas Bower, die verschiedenen Fernseh-Alices (oft mit ihrer Mutter zusammen) und natürlich die von Disney erschaffene Alice, immer wieder Disney… Disneys Trickfilm-Alice und nun, es war keine zwei Wochen her, die bildgewaltige Alice-Interpretation von Tim Burton, mit einer Alice, die sie an Emily in zehn Jahren denken ließ und mehr Alice als jede andere Alice zuvor war (oder doch nicht?).... und mit einem grandiosen Mad Hatter aufwartete, dessen Augen noch flaschengrüner und verrückter als die von Jeffrey waren und sie durcheinander gebracht hatte, weil sie einen so anziehenden Hatter nie für möglich gehalten hätte. Und schließlich: „Alice und die Wahrnehmung der Zeit“ waren auch das Thema ihrer Magisterarbeit gewesen, und auch wenn sie nicht das Gefühl hatte, dem Text je beigekommen zu sein, war eines sicher: Sie kannte den ihn! Konnte die Geschichte wiedergeben. Aber wäre sie auch nur in der Lage gewesen, die einzelnen Szenen in korrekter chronologischer Reihenfolge zu setzen? Vermutlich nicht.

Und jetzt saß sie neben diesem Mann, der sie ungebeten durch Europa fuhr und dabei ihrer Tochter die Abenteuer der anderen Alice erzählte, als hätte er diese auswendig gelernt, extra für sie, what´s a nice kid like you doin´in a place like this?, und verdammt: er kannte sie tatsächlich auswendig, die ganzen verdammten Abenteuer und den ganzen verdammten Text kannte er auswendig, Wort für Wort und Zeile für Zeile und Seite für Seite… Und sie, sie konnte sich nicht dagegen wehren, ihm ebenso gebannt zuzuhören wie ihre kleine Tochter, auch wenn dabei eine Mischung aus Ärger, Herzklopfen und Hitze sich in ihrem Inneren breit machten, und sie weghören wollte oder zumindest wegschauen, aber noch nicht einmal das gelang ihr – sie starrte gebannt auf Jeffreys Profil und das grün seiner Augen und beobachtete, wie die Wörter von seinen Lippen tanzten und er mit seiner Stimme und seinem Atem und den Worten von Lewis Caroll eine altbekannte Märchenwelt neu erstehen ließ und sie dabei alle in ein Loch hineinzog, dass ihr plötzlich tiefer und ungewisser vorkam als jedes andere zuvor.

Fortsetzung folgt... 

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